Ein paar Gedanken zu Harald Greibs Roman „Berlin, mit Bitte um Weisung“Martin Luther soll einmal gesagt haben: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen.“
1985 veröffentlichte Hoimar von Ditfurth sein Buch mit dem Titel „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen — es ist soweit“! Es beschreibt den über kurz oder lang nahezu unausweichlichen Untergang der Zivilisation und der Biosphäre aufgrund von Massenvernichtungswaffen und Umweltzerstörung und wurde zu einem Kultbuch der Öko- und Anti-Atomkraftbewegung in den 80er Jahren. Inzwischen kann man in der Elbe wieder baden und Deutschland hat den Atomausstieg beschlossen. Ein Hoffnungsschimmer?
Es ist natürlich weit hergeholt, hier den Vergleich aufzuspannen mit Harald Greibs Roman „Berlin, mit Bitte um Weisung“. Aber die kleinen Parallelen haben sich mir einfach aufgedrängt, als ich im Tschechischen Zentrum am Checkpoint Charlie dem ersten Kapitel lauschte: Denn auch Greib beschreibt ein System, das sich verselbständigt hat, unkontrollierbar wurde, vor dem der Einzelne ohnmächtig kapitulieren muss. Einer, dem Europa offenbar am Herzen liegt, schreibt — nicht im populärwissenschaftlichen Stil eines Hoimar v. Ditfurth aber dennoch korrekt und treffend, wie manch einer der Anwesenden aus dem Innern des bürokratischen Molochs bestätigte — eine tragisch-komische Geschichte, die einem die Hoffnung, die EU-Institutionen könnten ihren Aufgaben noch irgendwie gerecht werden, nimmt. Harald Greib ist davon überzeugt, dass dort in Brüssel ein Dinosaurier herangewachsen ist, der im Niedergang begriffen ist. Groß. Aber unbeweglich, bald nur noch als Fossil zu bestaunen.
Ich habe mich gefragt: Wo ist das Apfelbäumchen, was ist der Hoffnungsschimmer in Greibs Buch? Glaubt er selbst an einen Ausweg? Ist dieses System reformierbar? Oder um Greibs Dinosaurier-Bild aufzugreifen: Sind die Säugetiere schon auf den Plan getreten und wenn ja, welche Rolle werden Sie spielen?
Vielleicht finde ich es auf den nächsten 55 Kapiteln heraus.
Wäre es nicht schön, wenn dieses Buch zum Kultbuch einer europäischen Demokratie- und Anti-Bürokratiebewegung werden würde?